Landesverband Prostatakrebs Selbsthilfe Schleswig-Holstein

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Gemeinsam sind wir stärker

von Dr. Marianne Koch

 „Da Selbsthilfegruppen ehrenamtlich arbeiten, sind sie ein leuchtendes Beispiel für Gemeinschafts- und Bürgersinn“

   Der Grundgedanke der Selbsthilfegruppen, chronisch Kranken den Zusammenschluss in Gemeinschaften zu ermöglichen, hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur in unserem Land einen beispiellosen Siegeszug angetreten und damit vielen Millionen Menschen auf ganz besondere Weise geholfen.
   Wer von seinem Arzt erfährt, dass er an einer Krankheit leidet, die vielleicht nicht heilbar ist, die fortschreiten kann und ihn womöglich sein restliches Leben begleiten wird, erlebt zunächst einen radikalen Einschnitt in das bisherige Leben. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Parkinson, entzündliches Rheuma, multiple Sklerose, Diabetes, Krebs oder um ein anderes Leiden handelt. Der erste Gedanke, so schildern es Betroffene, sei das schmerzliche „Warum gerade ich?“. Sie ahnen, dass es vorbei ist mit der Unbeschwertheit ihres Alltags und dass ihnen die Krankheit nicht nur körperliche Einschränkungen, sondern auch schwere seelische Belastungen auferlegen wird. Tatsächlich haben chronisch Kranke oft das Gefühl, als lebten sie hinter einer unsichtbaren Wand, die sie trennt von all denen, die gesund und leistungsfähig sind – selbst von denen, die sie lieben und zu ihnen halten.
   Chronisch krank sein macht einsam. Wer sich aus diesem lähmenden Zustand befreien will, muss sich selbst helfen. Man muss einen Lernprozess durchlaufen, an dessen Ende ein neues Selbstbewusstsein steht. Dieser lange Weg lässt sich in einer Gruppe gleichermaßen Betroffener viel leichter bewältigen, weil da keine Wand ist, sondern Solidarität, Verständnis und das Gefühl der Gemeinschaft
   „Es ist eine Wohltat“, sagt Frau G., die eine Gruppe von Schmerzpatienten in Hessen leitet. „Ich brauche niemandem zu erklären, wie es mir gerade geht – das merken die anderen ohnehin. Bei uns gibt es einen fantastischen Zusammenhalt, und wir können viel miteinander lachen, trotz aller Probleme.“ Auch in anderer Hinsicht seien sie gut gerüstet: So wüssten sie genau, wie sie selbst in diesen schwierigen Zeiten die richtigen Medikamente und die Genehmigungen für notwendige Reha-Maßnahmen bekämen.
  
„Mein Doktor ist Spezialist und erzählt mir immer, was er auf Kongressen über neue Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten erfahren hat“, berichtet Frau G. „Das erzähle ich dann sofort der ganzen Gruppe.“ Und: „Wir machen einander Mut – das ist das Wichtigste.“
   Die Selbsthilfegruppen sind, vor allem, wenn sie sich zu großen Vereinigungen zusammenschließen, auch ein Machtfaktor geworden. Sie können heute Entscheidungen der Gesundheitsbehörden zugunsten ihrer Mitglieder beeinflussen. Und da diese alle ehrenamtlich arbeiten, sind sie ein leuchtendes Beispiel für Gemeinschafts- und Bürgersinn.
  
Ich sehe die Selbsthilfegruppen als die kleinsten Zellen einer Solidargemeinschaft. Eine solche sollte unsere zivilisierte Welt eigentlich auch im Großen sein.

Quelle: Apotheken-Umschau August 09
Veröffentlichungs-Genehmigung: August 09 - Wort & Bild

 

Grundregeln einer Selbsthilfegruppe

Was verstehen wir unter einer Selbsthilfegruppe?

Freiwilligkeit

In Selbsthilfegruppen schließen sich Menschen aus eigener Initiative zusammen, um gemeinsam Ziele zu verfolgen.

Selbstbetroffenheit

Grundgedanke ist, dass Personen, die von Krankheiten, Lebensproblemen oder Konfliktsituationen selbst betroffen sind, eine Gruppe bilden. Es gibt auch Gruppen, in denen sich Angehörige Betroffener austauschen. Je nach Zielsetzung kann es auch sinnvoll sein, dass Fachleute (Krankengymnast/-innen, Sozialarbeiter/-innen, Ärzte/Ärztinnen usw.) in einer Gruppe zeitweilig mitarbeiten.

Selbstbestimmung

Innerhalb der Selbsthilfegruppen bestimmen die Teilnehmer/-innen selbst, was und wie viel sie von sich in die Gruppe einbringen.

Gleichberechtigung

Die Gruppenteilnehmer/-innen sind gleichberechtigt und versuchen, Abhängigkeiten zu vermeiden bzw. abzubauen. Dies kann z.B. dadurch gefördert werden, dass anfallende Aufgaben abwechselnd von verschiedenen Teilnehmer/-innen wahrgenommen werden.

Gruppengröße

Die Mitglieder bestimmen selbst, wie groß die Gruppe wird und aus welchem Personenkreis sie sich zusammensetzt. Erfahrungen haben gezeigt, dass Gruppen, die hauptsächlich in persönlichen Gesprächen ihre Probleme und Konflikte bearbeiten wollen, etwa 6 bis 12 Personen umfassen sollten. Weitere Interessierte können eine neue Gruppe bilden.

Regelmäßigkeit, Kontinuität

Die Gruppe sollte sich regelmäßig, mindestens monatlich treffen. Dies ist besonders in der Anfangsphase wichtig, damit das Gefühl der Fremdheit abgebaut wird (bzw. nicht immer wieder neu entsteht) und sich ein Vertrauensverhältnis entwickeln kann. Hierfür ist ebenfalls wichtig, dass die Teilnehmer/-innen regelmäßig zu den Treffen kommen und die Zusammensetzung der Gruppe nicht ständig wechselt.

Verschwiegenheit

Was in der Gruppe besprochen wird, muss in der Gruppe bleiben. Nur was für die Außenwelt bestimmt ist, darf nach außen getragen werden.